© Brigitta Aschenbrenner
DIE GESCHICHTE DES HUNDES
Über die Geschichte des Hundes im Allgemeinen und im Besonderen gibt es im Buchhandel unzählige, mehr oder weniger gute, Bücher. Da ich hier speziell auf den Pinscher eingehen will, sei die Geschichte des Hundes hier nur kurz gestreift.
Wölfe und Schakale lebten stets in großen Rudeln zusammen, welche oft in die Behausungen der Menschen eindrangen um Nahrungsmittel oder Vieh zu stehlen. So kamen gelegentlich Welpen und junge Tiere in die Hände der Menschen, die sie aufzogen und zähmten. Der Nutzen dieser Tiere wurde von den Menschen bald erkannt. Doch wann genau der Mensch begonnen hat, Hunde zu züchten weiss man nicht.
Der Hund ist eines der ältesten Haustiere der Welt. Die Stammväter unserer Hunde sind verschiedenen Wolfs- und Schakalarten. Nach den neusten Theorien stammt der Hund aber nicht ausschließlich vom Wolf ab. Die Biologen Ray & Lorna Coppinger schreiben in ihrem Buch „Hunde – Neueste Erkenntnisse über Herkunft, Verhalten und Evolution der Kaniden“ : Die frühesten, datierten Haushundfunde stammen aus Lagerstätten des Menschen in Palästina und Nordeuropa.
EINE ALTE RASSE
Woher unsere Schnauzer und Pinscher kommen weiß man nicht so genau, jedenfalls hat der Pinscher eine sehr lange Geschichte, die detailliert jedoch noch nicht ganz aufgeklärt ist. Zweifellos gehörte er zur Gruppe der Torfspitzhunde,welche seit mehreren Jahrtausenden in Mittel- und Westeuropa nachweisbar sind. Diese Hundetypen kannte man weder in Süd- noch in Nordeuropa.
Bekannt wurden sie im 18. und 19. Jahrhundert, als große Mietställe das wichtigste Transportmittel Pferd im noch jungen Industriezeitalter zur Verfügung stellten. In dem warmen und futterreichen Umfeld der Ställe gediehen Ratten und Mäuse die man mit Katzen und Hunden in Schach hielt und Pferde waren ein beliebtes Diebesgut sodass die Ställe nicht ohne gute Wächter auskamen.
Es musste also ein Hund sein der Lärm machte und bewachte. „To pinch“ heißt im Englischen kneifen und so verschaffte sich der Stallhund als „Wadenbeißer“ Respekt.
Dieser "Stallhund" musste tagsüber fremde Menschen aus und eingehen zu lassen jedoch misstrauisch genug sein um genau im Blick zu haben wer sich zu Recht oder zu Unrecht an den Pferden und Vorräten zu schaffen machte. Wie die Hunde dabei aussahen spielte keine Rolle jedoch durfte ihr Fell nicht pflegeintensiv sein. Ein raues oder derb kurzhaariges Fell war ideal denn der Schmutz haftete nicht so gut und trotzdem bot es genug Schutz gegen Kälte und Nässe.
Eine weitere Voraussetzung für einen guten Stallhund war eine territoriale Veranlagung mit wenig Neigung das Revier zu verlassen. Das Verhältnis der Hunde zu den Menschen dieser Zeit war gespalten. Viele Menschen betrachteten Hunde als minderwertig und einen Stallhund erst recht. Freundliche Worte und Streicheleinheiten waren eher die Ausnahme, Fußtritte die Regel und so lernten die Hunde sehr schnell zwischen Menschen denen man vertrauen konnte und Fremden zu unterscheiden.
Der Schnauzer-Pinscher Freund wird noch heute in seinen Hund viele Eigenschaften aus den Urtypen wieder finden. Diese Rasse hat sich ihre Persönlichkeit bewahrt. Sie ist gelehrig und ihren Menschen zugetan.
Nach Hauk war ein derber, kurzhaariger Pinscher früher über ganz Europa verbreitet, am häufigsten kam er im Mittelmeerraum und hier wiederum im süddeutschen Raum und im alten Österreich vor. Die Vorfahren unserer heute bekannten Deutschen Pinscher und Schnauzer kamen wahrscheinlich als Rattenfänger und Hofhunde schon vor Jahrhunderten vor.
Bereits um die Jahrhundertwende wurde der Zwergpinscher in großer Zahl gehalten. Das Deutsche Zuchtbuch von 1925 belegte damals bereits 1.300 Eintragungen. Aus den vielen Farbvarianten wurden, wie beim Deutschen Pinscher, die Farben schwarz mit helleren Abzeichen und einfarbig rote bis brauntönige Tiere heraus gezüchtet.
Unser Zwergpinscher war ursprünglich, und ist heute wieder, ein robuster, unerschrockener „Rattenbeißer“. Sein dazwischen eher zierliches Aussehen war das Ergebnis der damaligen Selektionszucht. Er wurde ziemlich früh in der Rassehundezucht der Liebling der Damenwelt und konnte nicht winzig und gebrechlich genug sein.Schließlich entartete in ein winziges zitterndes und gebrechliches Geschöpf.
Der echte Zwergpinscher verkörpert den Deutschen Pinscher in Kleinformat, er ist robust und eine echte Persönlichkeit. Dieser kleine Kerl ist der ideale Hund für Stadtbewohner. Er tobt sich gerne aus, ist gelehrig und überall gerne dabei. Als Kleinhund ist er ein idealer Reisebegleiter. Er geht in seiner Familie auf, hat mit Fremden nicht viel am Hut und kann gut mit seinen Artgenossen umgehen.
Der Zwergpinscher ist ein ausgezeichneter Wächter dem nichts entgeht. Die Pflege dieses kurzhaarigen Zwerges ist gleich null. Da er keine Unterwolle hat fliegen keine Haare in der Wohnung herum und er bringt so gut wie keinen Schmutz ins Haus.
Solange er in Bewegung ist liebt er auch schlechtes Wetter, Regen und Schnee. Die Zucht hat sich in den letzten Jahren wieder zur Aufgabe gemacht den ursprünglichen Typ bevorzugt zu züchten.
EIN INTERESSANTER FUND: DER KELTISCHE GESELLSCHAFTSHUND VON RHEINAU
Die Halbinsel Rheinau liegt im Zürcher Weinland an der Grenze zu Deutschland. Die ältesten Spuren des Menschen im Gebiet um Rheinau datieren in die Mittelsteinzeit (9000-6000 v. Chr.), die als nomadisierende Wildbeuter durch die Wildnis zogen und hier einen Lagerplatz errichteten.
Ein nahezu vollständig erhaltenes Hundeskelett konnte 1994 bei Ausgrabungen in einer ehemaligen Keltensiedlung geborgen werden. Auf Grund der anderen Funde dieses ehemaligen Handwerkerviertels wird vermutet, dass dieser Kleinhund aus dem Mittelmeerraum importiert wurde. In spätlateinischen Siedlungen der Kelten (100 v.-100 n. Chr.) wurden, wie viele Ausgrabungen zeigen, Hunde unterschiedlichster Größe geschlachtet und gegessen.
Diese „Speisehunde“ waren immer recht jung und erreichten kaum das Erwachsenenalter. Der Zustand dieses Hundes jedoch weist auf eine komplette Beisetzung hin. Es wurden weder Hieb- noch Zerlegungsspuren am Skelett entdeckt. Zahnwechsel und Skelettwachstum waren bei dem Hund bereits abgeschlossen. Die Abnutzungserscheinungen der Zähne lässt ein Alter von etwa 24 bis 30 Monate vermuten.
ÄHNLICHKEIT MIT EINEM ZWERGPINSCHER?
Das erstaunlichste an dem Hund von Rheinau ist die große Übereinstimmung seines Schädels mit einem Schädel des heute lebenden Zwergpinschers. Auch die Unterkiefer der beiden sind sich erstaunlich ähnlich. Interessant ist auch die Schulterhöhe dieses kleinen Kerls. Sie beträgt lediglich 27 Zentimeter am Skelett. Der lebende Hund dürfte somit etwa 30 cm Schulterhöhe gehabt haben.
In der Geschichte dieser Rasse wird immer wieder darauf hingewiesen, dass der Pinscher auf den Bauernhöfen die Aufgabe hatte, Ratten zu töten. In Stallungen und Lagerstätten von Stroh, Heu, Getreide und anderen Futtermitteln gab es immer Ratten und Mäuse. Sie waren und sind die Herausforderung für jeden Pinscher. Mit ungeheurer Schnelligkeit und Gewandtheit erledigt der Pinscher diese Aufgabe bis heute. Das Talent dazu ist genetisch fixiert.
Mit Beginn der "Kynologischen Zeit", 1836, wird der glatthaarige Pinscher erstmals bei Dr. H. G. Reichenbach in seinem Buch „ der Hund in seinen Haupt- und Nebenracen“ als Rasse beschrieben. Er schreibt damals: "Ein schlanker und in allen Theilen proportioniert gebauter Hund, mit schmalen an der Basis aufrechtem Behang (Ohren) Urfarbe oder ganz schwarz... ...Der Pinscher ist ungeachtet seiner Schlankheit kräftig gebaut, von beständig heiterem Temperament, daher immer beweglich und ohne Falschheit. Er liebt die Wärme und hält sich vielleicht deshalb gerne in Pferdeställen auf. Seine Neigung zum Jagen ist ihm so angeboren wie dem Dachshunde, in Häusern gehalten sucht er ihr wenigstens dadurch zu genügen, dass er sich abends auf den Hof begibt und den Ratten nachstellt oder in die Gärten geht, um den Maulwürfen aufzulauern..... Diese nette Hunderasse ist erst in neuerer Zeit aufgekommen, scheint aus England entsprossen und hat in Deutschland die Stelle der Möpse eingenommen."
Auch Th. Götz vertritt 1938 in seiner „Hunde-Gallerie“ die Meinung, der Glatthaarpinscher sei aus England auf den Kontinent gekommen. Zitat „ Der Pinscher-Hund-, eine aus England zu uns nach Deutschland gekommene Rasse. Ihre Größe ist verschieden, gewöhnlich sind sie eineinviertel Fuß hoch, schlank gebaut und haben einen etwas langen, dünnen Hals und eine kräftige Brust. Der kleine, in die Höhe stehende Behang wird ihnen in der Jugend, sowie die Rute, abgeschnitten. Von Farbe sind sie alle schwarz am Kopf, den Füßen, an der Brust und Ruthe, mit hellbraunen Extremitäten gezeichnet. Es ist eine munterere Hundeart, vorzüglich, sehr wachsam beim Geschirr und sehr gut zur Vertilgung der Ratten, etc..“
Aus all den Aufzeichnungen vor der Gründung des Pinscher-Schnauzerklubs wird ersichtlich, wie ungenau die Bezeichnung „Pinscher“ war. Da sind glatthaarige, rau- oder seidenhaarige, große und kleine Hunde beschrieben und immer wieder finden wir Verwechslungen mit dem Englischen Black-and-Tan Terrier.
1895 erließ der Deutsche Josef Berta einen Aufruf zur Gründung eines Pinscherklubs aus dem der heutige Deutsche Pinscher-Schnauzerklub entstand. Sein Vorwort im 1902 veröffentlichen 1. Band des Pinscherzuchtbuches beschreibt treffend die damalige Situation der Deutschen Hundewelt. „ Als der Unterzeichnete im Frühjahr 1895 einen Aufruf zur Gründung eines Pinscher-Schnauzerklubs erließ, gab es der berufenen Züchter und Liebhaber unseres braven vaterländischen Hundes herzlich wenig. Der Schnauzer, der bedeutendste Repräsentant der großen Pinscherfamilie, war ein kynologisches Stiefkind und fristete unter den vornehmen hoch geachteten Fremdlingen achtlos und kümmerlich sein Dasein. Planlosigkeit und Verwirrung herrschte in seinen Reihen, kein einheitliches Züchterisches Bild fesselte den Beschauer, kein greifbarer Typus reizte den praktischen Sportsmann, seine Erfahrungen und seinen Eifer an diesen hoffnungslosen Gesellen zu versuchen“
Zu dieser Zeit wurden die Schnauzer noch als "rauhaarige Pinscher" bezeichnet.
Pinscher und Haarformen eines Hundeschlages.
Der ausgeprägte Bart des Schnauzers wurde erst mit der Spezialisierung der Rasse gezüchtet. Bis in die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts fielen in den Würfen noch rauh- und glatthaarige Welpen gemeinsam. Mit Beginn der Reinzucht durch Joseph Berta begann die Unterscheidung zwischen Pinschern und Schnauzern.
Kenner der rau- und kurzhaarigen Pinscher fanden sich zusammen. Sie versuchten die Zucht zu lenken indem sie den vorhandenen Bestand ordneten, schafften Varietäten und führten Buch über Paarungen, sie legten Satzungen und Zuchtordnung fest und bildeten Zuchtrichter aus. Spezialausstellungen wurden organisiert und Öffentlichkeitsarbeit geleistet.
Bereits 1902 brachte Richard Strebel ein Standardwerk um den Pinscher – besonders über seine rauhaarigen Varietäten heraus. In dem 1876 erschienenen Buch „Der Hund und seine Racen“ von Dr. Leopold Fitzinger wurden bereits eine Reihe von Pinscher-Varietäten beschrieben.
"Den Seidenpinsch als einen Halbbastard gemischter Kreuzung- was immer er darunter verstanden hat. Er soll klein gewesen und zotteliges - gekräuseltes Haar gehabt haben".
Der abschließende Vergleich mit dem französischen petit Griffon und der Hinweis, dass er bei Frauen als Schoßhund beliebt war, deutete auf den Affenpinscher hin.
Als verwand mit ihm bezeichnete er den kleinen Pinsch und den rauen Pinsch. Die Merkmale der letzteren, der auch als Affenpinscher bekannt war und den er „einfachen Bastard gemischter Kreuzungen“ nennt, beschreibt er „mit starker gewölbter Stirn und stumpfer Schnauze, von einfärbig rötlich oder gräulich weiß, gelblich schwarz oder schwarz. Das Haar war bestehend und straff, Das Gesicht sei gleichfalls mit abstehenden Haaren besetzt gewesen, um die Schnauze herum länger und beinah bartähnlich erschienen. Das Abstutzen der Ohren und des Schwanzes war bei dieser „Race“ üblich gewesen".
Für den „großen Pinsch“ zählt Dr. Fitzinger folgende Merkmale auf: „verschiedene Größen, Kopf etwas länger, Stirn schwächer gewölbt, Schnauze mehr gestreckt, niederer und spitzer, der Leib minder voll, Haar mehr glatt-zottelig, abstehend und grob. Das Gesicht mit langen Haaren besetzt, welche um die Schnauze länger sind und eine Art Bart bilden. Die Färbung ist meistens auf der Oberseite des Körpers und der Außenseite der Beine und an der Schnauze rötlich oder bräunlichgelb und oberhalb der Augen kleine, rundliche ebenso gefärbte Flecken, Ohren und Schwanz gestutzt. Er wurde als Stubenhund und Hirtenhund gehalten“.
Noch deutlicher sind die Hinweise auf unsere Rassen bei der Beschreibung des „glatten Pinsch“ dem Dr. Fitzinger als dreifachen Bastard gemischter Kreuzungen“ beschreibt. Diese Beschreibung ist ähnlich der des „großen Pinsch“ und der damals gebräuchliche Name für diesen Hund war „Rattler“.
Deutlich weisen die beschriebenen Eigenschaften auf Pinscher-Schnauzer hin. Diese Hunde wurden als muntere, lebhafte Hunde dargestellt, die ebenso gerne in der Stube, als auch in Pferdeställen gehalten wurden. Da er mutig war und gerne in unterirdische Baue kroch, wurde er auch für die Jagd auf Füchse und Dachse benutzt. Besonders aber eignete er sich als Rattenfänger.
1984 veröffentliche der Deutsche R. v. Schmiedeberg als Nachtrag der Übersetzung eines englischen Hundebuches von Dr. W. Gordon Stables „Rassekennzeichen von Pinschern“ die der „Verein zur Veredelungen von Hunderassen für Deutschland“ veröffentlicht hatte: „Es dürfte schwer fallen festzustellen, ob unser kurzhaariger Pinscher zuerst in Deutschland gezüchtet wurde oder ob derselbe nur ein Nachkomme des alten englischen Black-and-Tan Terriers ist, dessen alte Stammform im Laufe der Zeit bei uns mehr oder weniger abgeändert wurde“
Nachzulesen ist unter anderem auch, das es sich bei dieser Rasse um einen in Deutschland beheimateten Hund handelt über dessen Stammväter die verschiedensten Aussagen gemacht wurden und das seinerzeit nicht feststellbar war, wann und wo sich diese Rasse der Pinscher in eine kurz- und rauhaarige Unterrasse aufgeteilt hat.
DER KURZHAARIGE PINSCHER
war 5-7 kg schwer, munter, keck, kupierte Rute, aufrecht getragenen Kopf weniger lang gestreckt, Ohren och angesetzt und kupiert. Rumpf: tiefe Brust, mehr oval als rund, Bauch mäßig aufgezogen. Haar: kurz, straff, glatt. Farbe: meist schwarz mit gelbbraunen Abzeichen. Weniger geschätzt, dunkelbraun mit gelben Abzeichen noch weniger einfarbig gelb oder gelbrot. Weiße Abzeichen niemals zulässig.
Der Zwergpinscher wird als kleine Form des zuvor beschriebenen dargestellt, sollte 3 ½ Kilo nicht übersteigen. Das Haar weicher, seidenartig glänzend, Haut sehr dünn, Knochenbau äußerst zierlich und scharf ausgeprägt.
DER RAUHAARIGE PINSCHER ODER RATTLER
hatte ein Durchschnittsgewicht von 3 ½ bis 10 Kilo und darüber. Leicht sehnig, elastisch.
Harte, raue Behaarung, Rute schräg aufwärts getragen, Haltung neugierig und keck. Unruhiges Temperament, beständig wachsam ohne unnützen Lärm zu machen und sehr mutig, ohne eben zänkisch oder besonders rauflustig zu sein. Voll Anhänglichkeit an den Herrn, besondere Liebe zu Pferden, von großer Ausdauer auf längeren Touren. Gewandte Ratten – und Mäusejäger, daher als Stallhund beliebt. Kopf nicht zu schwer, etwas lang gestreckt. Oberkopf nach vorne wenig verschmälert und fast gerade, Absatz zur Nase stark ausgesprochen. Gebiss gut schließend. Ohren kupiert. Hals mittellang und kräftig, im Nacken gewölbt, ohne Erweiterung der Kehlhaut. Rute kupiert. Haar möglichst hart. An der Schnauze kurzer Schnurr- oder Knebelbart, buschige Augenbrauen. Farbe rostgelb oder braungelb. Kopf, Füße und Unterseite meist heller oder grauweißlich gefärbt, ferner schwärzlich, eisengrau oder silbergrau.
Entweder einfärbig oder mit gelbbraunen oder blassgelben Abzeichen an Augen, Schnauze und Läufen. Auch wohl einfarbig flachsblond oder trüb grauweiß mit schwarz gefleckter Nase. Immer schwarz die Augen und die Nägel dunkel.
Der rauhaarige Zwerg- oder Affenpinscher wird als Zwergform des vorgeschriebenen Rattlers beschrieben. Jedoch ist hier der Kopf weniger gestreckt, der Oberkopf höher gewölbt und die Schnauze kurz. Unterkiefer etwas vorstehen, affenartig, Behaarung etwas weicher und um die Augen kranzförmig ausgebreitet, wodurch das Gesicht einen Eulen- oder Affenartigen Ausdruck erhält. Gewicht nicht über 3 ½ kg, Färbung ganz wie beim Rattler“
Diese vielen Einzelheiten schließen mit dem Hinweis „ So beliebt die Rasse ist, so hat sie doch leider keine große Verbreitung, was wohl der jetzt zur Mode gewordenen Vorliebe für Möpse zuzuschreiben ist. Sie wird deshalb wenig gezüchtet und so könnte man als hervorragender Züchter außer einigen württembergischen Händlern nur noch Herrn C. Burger aus Leonberg nennen“
Der Tiermaler und Autor von Hundebüchern, Jean Bungartz bezog sich in seinem 1884 erschienenen „Handbuch zur Beurteilung der Rassen-Reinheit des Hundes“ und in dem 1888 erschienenen Buch „ Der Luxushund“ auf die vom „Verein zur Veredelung von Hunderassen in Deutschland“ veröffentlichten Rassekennzeichen. „ Es kann nicht als übertriebener Nationalismus angesehen werden, wenn an den wenigen Pinscherrassen unseres Vaterlandes festgehalten und ihre Zucht mit Verständnis betrieben wird, man müsse sonst, wolle man unparteiisch urteilen, auch den Engländern den Vorwurf machen, in verhältnismäßig kurzen Zeitraum eine Menge Terrier- Rassen produziert zu haben. Wäre das Verständnis und Talent für die Tierzucht, namentlich der Hundezucht, bei uns so frühe und allgemein vorhanden gewesen, wie beispielsweise in England, so dürfte Deutschland aus dem ursprünglichen Material entschieden mehr Klassen für Pinscher aufzuweisen haben. Als eine noch zulässige Farbe betrachten wir auch die rostgelbe, die sich auch beim Dachshunde vorfindet und bei diesem gestattet ist. Ebenso wäre hinsichtlich des Gewichts, ähnlich wie bei engl. Terriern noch eine ausgleichende Einteilung zu treffen. Dieselbe Schärfe und Schneidigkeit, Wachsamkeit und Anhänglichkeit, die gleiche Erbitterung auf Ratten etc. und die nämliche Zuneigung zu Pferden, die wie bei den rauhaarigen Verwandten, dem Rattenfänger zu finden, ist auch dem glatthaarigen Pinschern in selber Weise eigen“.
DER DEUTSCHE RAUHHAARIGE PINSCHER (RATTENFÄNGER)
In einem dem Pinscher als „Rattenfänger“ gewidmeten Kapitel taucht eine, damals in Süden Deutschlands weit verbreitete Bezeichnung „Schnauzerl“ auf. Viele Liebhaber und Kenner der Pinscher und Schnauzer werden in diesem, zitierten Original-Bericht die Wesensmerkmale unser heute bekannten Rassen wieder finden: „ Unser allbekannter Rattenfänger hat sich von je her in Deutschland insbesondere in Württemberg, einer großen Beliebtheit erfreut und es gereicht uns zur Genugtuung konstatieren zu können, dass sich die Zahl seiner Verehrer und Züchter mehrt. Wenn man den englischen rauhaarigen Terriers, dem deutschen Rattenfänger zum Vergleich gegenüberstellt, so wird man sich der Annahme nicht erwehren können, dass bei diesen eine mehr oder minder auffallende Ähnlichkeit mit dem Rattenfänger vorhanden ist. Wie bei so vielen älteren Rassen, so ist über die Herkunft des Rattenfängers nichts Bestimmtes bekannt und daher auch die Annahme wohl berechtigt, dass derselbe eine bereits frühere Rasse darstellen muss. In der Zucht ist auch leider dieser Hund sehr vernachlässigt worden und man hat dem Zufall zuviel Spielraum gewährt. Diese Lässigkeit hat denn auch ihre unangenehmen Folgen gehabt, es wird noch viel nachzuholen sein, ehe man diese Rasse auf die Höhe bringt, die verlangt werden muss. Wenn auch den meisten Exemplaren die der Rasse eigentümliche Intelligent und Schneidigkeit verbleiben, so sieht man doch in der äußeren Erscheinung die mannigfachen Typen vertreten. Die meisten zeigen zu spitze Köpfe, vorstehende Unterkiefer, schwächlichen Körperbau und ebenso fehlt ihnen das harte, drahtige Haar. Da man von ihm die verschiedensten Arbeiten verlangt und er gleichsam ein „Hund für alles“ sein soll, sowohl zur Bewachung von Haus und Hof sowie zum Vertilgen von Ratten und ähnlichem Ungeziefer dient, als beliebter Stallhund – er zeigt eine ausgesprochene Zuneigung zu Pferden – in Gebrauch und das Gefährt zu begleiten hat, wird auch eine entsprechende Körperstärke für höchst wünschenswert und notwendig erachtet. Er darf daher nicht weich und verzärtelt sein, muss vielmehr eine robuste Natur besitzen die ihn befähigt, der Witterung Trotz zu bieten. Wie er als Vertilger von lästigen Nagern eine schier unbegreifliche Passion entwickelt, wie er das ihm anvertraute Fuhrwerk und den zu bewachenden Stall mit aller Energie vor unbefugter Annäherung fremder Personen verteidigt und sich als schneidiger, aufmerksamer Wächter kund gibt, ebenso nützlich und angenehm weiß er sich im Haus zu machen, fühlt sich in Gesellschaft spielender Kinder als gleichberechtigt ein indem er sich zu allerlei Possen heranziehen lässt ohne Unwillen oder Zorn zu zeigen, und den Kindern seines Herrn jederzeit ein willfähriger Spielgefährte ist“ und weiter "Hat der „Schnauzerl, wie er allgemein genannt wird, eine Ratte oder Maus aufgespürt, so beseelt ihn ein Feuereifer in der Verfolgung der ihm verhassten Nager, der ihn alles in seiner Umgebung vergessen macht. Stets den grauen Feind im Auge haltend, sucht er jenen zu überlisten und ihm den Pass abzuschneiden, um ihn mit gewandtem Griff zu packen. Ist die Ratte in seinem Besitz, so vernimmt man ein befriedigendes Knurren, einige kräftige Bisse und die Nagerseele hat ihr irdisches Dasein ausgehaucht und fort geht’s zu neuen Jagen, bis Stall und Haus von diesen lästigen Ungeziefer in kürzester Zeit gesäubert sind. Bei den in England und Belgien üblichen Prüfungen auf Ratten würde unser Pinscher gewiss allen anderen Terriers überlegen sein, wenn er erst Gnade vor den Augen der dortigen Liebhaber findet“
1880 erscheint das "Deutsche Hundestammbuch"
in dem die Rassekennzeichen des Pinschers erstmals aufgestellt sind. Als Farben werden angegeben: "Meist glänzend schwarz mit gelbbraunen Abzeichen ... weniger geschätzt ist die dunkelbraune Färbung mit gelben Abzeichen, und noch weniger die einfarbig gelbe oder gelbrote Farbe. Weiße Abzeichen sind niemals erlaubt."
Über die „Rattenprüfungen“ stehen interessante Angaben im „Hundesport“ Band II, Nr. 12
"Der Verlauf von Rattenprüfungen ist ein sehr einfacher. Der Kampfplatz ist ein ovaler und runder Tisch von etwa 5-9 m2 Flächeninhalt. Ein Drahtgeflecht von etwa einen Meter Höhe umgibt denselben und gestattet dem Zuschauer bequem alles zu übersehen... Durch eine kleine Schiebetür werden Ratten und Hunde eingelassen. Nach englischem Reglement muss jeder konkurrierende Hund soviel Ratten töten als sein Körpergewicht in Kilogramm beträgt. Deshalb hat der Besitzer vor jedem Gang das Gewicht seines Hundes anzugeben, damit die nötige Anzahl Ratten für ihn in die Arena gebracht werden kann. Ist die Reihenfolge der „Kämpfer“ durch das Los bestimmt, die nötige Anzahl der Ratten im „Pit“ so nimmt der „Time-Keeper“ die Kontrolluhr und der Hund wird in den Kampfplatz gelassen. Wütend stürzt er sich auf die Ratten, die sich gewöhnlich in eine Ecke dicht zusammen drängen und entspringen versuchen. Die Bewegungen des Hundes sind so schnell, dass sie sich kaum aus den Augen verfolgen lassen. Endlich ist auch der letzte Feind getötet und ungern lässt sich der Hund aus der Arena entfernen"
Theodor Fontane beschreibt in seinem 1899 herausgegebenen „Stechlin“ eine Fahrt in den Katakomben, den unterirdischen Kanälen von Paris. „In unserem Kahn hatten wir nämlich zwei solcher Rattenfänger, wie man die Pinscher auch nennt, einen vorn, einen hinten. Und nun hätten Sie sehen sollen wie das losging. „Schnapp, und das Tier um die Ohren geschlagen, und tot war es. Und so weiter, so schnell wie sie nur zählen konnten und mitunter noch schneller“
1914 Wird in Wien der 1. ÖSPK gegründet.
1920 stand der Glatthaarige Pinscher auf einer sehr schwachen Zuchtbasis. Es gab damals nur noch etwa 30 Zuchttiere, die meisten davon im Deutschen Raum Göppingen. Man kreuzte Black-and-Tan-Terrier ein und rettete dadurch den Deutschen Pinscher erstmals vor dem Untergang. Seine genetische Basis war so eng geworden, dass Gesundheitsprobleme die Rasse vermutlich zugrunde gerichtet hätten.
1956 gibt der damalige Hauptzuchtwart des PSK, Werner Jung, folgenden Bericht auf der Jahreshauptversammlung des PSK: "Nach 1949 weisen unsere Zuchtbücher nunmehr keine Würfe des Pinschers mehr aus. Nur in der Zone in den Kreisen Schmalkalden und Erfurt in Thüringen wurde die Zucht mit wenigen Exemplaren fortgesetzt. ... Die ältesten Pinscher, die nach dem Krieg gezüchtet wurden, sind nunmehr 13, die jüngsten jetzt 9 Jahre alt. Wir sind uns doch wohl völlig im Klaren darüber, dass mein Appell wie ein letzter Notschrei aufzufassen ist. Wenn der verhallt, können wir das Leichentuch über ein Vermächtnis aus alter Zeit breiten."
Weiterhin führte Werner Jung aus: "Mit gespanntem Ohr habe ich auf ein Echo gewartet, ein ganzes Jahr, vergebens!" In der DDR war die Situation ähnlich. Die Pinscherzucht kam auch dort zum Erliegen, nur ein paar Jahre später.
Nach 1955 (18 Welpen) gab es im Jahr 1957 nur noch einen Welpen! Werner Jung war ein Mann der Tat. Er wollte nicht als Hauptzuchtwart in die Geschichte eingehen, "unter dem eine ganze Rasse ausgestorben ist, der Pinscher sein Leben ausgehaucht hat."
Als letzte Möglichkeit der Rettung des Deutschen Pinschers gab er seine "innigst geliebten Riesen" (Riesenschnauzer-Zucht) auf und suchte die letzten Reste der Pinscherzucht für einen Neuanfang zusammen. Es war die Stammhündin "Kitti vom Bodestrand", geb. 22.05.1955 in der DDR, die einzige Deutsche Pinscherhündin für diesen Neubeginn.
Hinzu kamen die Zwergpinscherhündin "Jutta/Jung" (1956), und die drei Zwergpinscherrüden "Fürst/Jung", "Illo/Fischer" und "Onzo/Illgen" (1957) - alle vier mit Übergröße.
1958 am 19.12. fiel aus Kitti x Fürst dann der erste Wurf für den Wiederaufbau der Deutschen-Pinscher-Zucht. Durch den großen Einsatz von Werner Jung und seiner Familie ist die Rasse vor dem Aussterben bewahrt worden. Dr. Hans Raeber schreibt in seinem Buch „Schnauzer-Pinscher“ „Beim Durchstöbern der alten Schriften, die uns über die Anfänge der Reinzucht berichten, muss ich immer wieder staunen, mit welcher Begeisterung und mit welchem Opfersinn sich diese Leute an die schwere Aufgabe machte. Mit bewundernswerten Weitblick wurden züchterische Probleme angegangen, mit Härte und Kompromisslosigkeit wählte man die Zuchttiere aus, und man freute sich und war begeisterte, wenn sich der Erfolg einstellte. Würde heute noch mit der gleichen Einstellung gezüchtet, wir könnten alle Zuchtreglemente in Bausch und Bogen verbrennen, denn mehr kann all das Papier die Zucht nicht fördern, als es damals die wenigen Züchter ohne Reglemente taten“
1987 begann sich das Erscheinungsbild des Deutschen Pinschers auffallend zu verändern:
Wie für viele andere Hunderassen galt auch für ihn das Kupierverbot für die Ohren. Von nun an sollte er Kippohren tragen - von vielen Pinscherfreunden bedauert und von vielen begrüßt.
1998 folgte in Deutschland das Kupierverbot für die Schwänze, was einen weiteren Wandel für die Zucht bedeutete.
Der Zwergpinscher heute ist ein idealer Familienhund, der sich seiner Umgebung sofort anpasst. Er hat ein kesses Temperament, ist sehr aufmerksam, gutartig und spielfreudig.
Unbestechlich in seiner Treue zur Bezugsperson und, gut erzogen, kein Kläffer.
Er ist ein kleines Kraftpaket und widerstandsfähig Krankheiten gegenüber. Ausdauernd und daher bestens als treuer Begleiter bei vielen Freizeitsportarten. Ein wachsamer Kerl dem nichts entgeht!
Quellen: Enzyklopädie der Hunde /Hans Räber Schnauzer-Pinscher
Hans Räber. Hunde
Ray & Lorna Coppinger Rassekunde
Eva-Maria Krämer Festschrift des PSK 90 Jahre Pinscher-Schnauzerklub
Festschrift des 1. ÖSPK
© Brigitta Aschenbrenner